Cindy’s Erfahrung nach der Einvernahme

Wie ging es nach der Einvernahme weiter ?

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Betroffene Personen können an das erlebte Trauma erinnert werden..
In meinem Fall passierte nicht mehr sehr viel. Da man den Täter nicht kannte und mir auch fast bewusst war, dass man ihn nicht finden wird anhand meiner Aussagen, musste ich weder vor Gericht noch sonst was. Mein Fall wurde sistiert. Das Einzige war, dass nach der Einvernahme nochmals die Kantonspolizei anrief. Sie fragten mich, ob ich den wisse, dass der Fall von Emmen bloss kurze Zeit nach meiner Vergewaltigung in Luzern war. Worauf ich antwortete, dass ich mir dessen bewusst sei. Sie fragten mich; Ob ich denn keine Zusammenhänge sehen würde? Ich verneinte, denn ich wurde weder vom Fahrrad gestossen, noch kann ich mich erinnern, krass geschlagen worden zu sein. Für mich sind und waren es zwei völlig andere Taten, welche nichts miteinander zu tun hatten. Abschliessend meinte die Polizei am Telefon, dass indem ich solange mit der Anzeige gewartet hatte, der Täter Zeit gehabt hätte, andere Frauen zu vergewaltigen. Dass ich indirekt somit mitschuldig sei, wenn dies anderen Frauen passiere. Nun ja, stimmt vielleicht. Doch ich möchte hiermit sagen, dass ich jede Schuld ablehne, denn ich bin nicht verantwortlich dafür, dass jemand andere vergewaltigt. Wäre ich zu dem Zeitpunkt nicht bereits sehr weit in meinem eigenen Prozess gewesen, hätte ich der Polizei geglaubt und mir Schuld dafür gegeben. Und glaubt mir, dass habe ich mir eh mega lange selbst gegeben. Wäre ich nicht so resilient gewesen, hätte mich diese Aussage sehr viel Kraft gekostet und ziemlich sicher psychisch fertig gemacht. Was ich finde ist absolut nicht in Ordnung, so etwas laut auszusprechen in der Rolle als Polizist.
Was ich dir damit sagen will, ist nicht, mach keine Anzeige. Sondern ich möchte dich darauf hinweisen, dass die Einvernahme, die Ablehnungen der Genugtuung, das Schreiben davon, der Gerichtsprozess und alles weitere einfach auf dich zukommt und du ready sein solltest. Oder dir zumindest dem Bewusstsein solltest. Denn du kannst nicht einfach plötzlich sagen: ich will nicht mehr und die Anzeige zurückziehen, da es ein Offizialdelikt ist. Es kann sein, dass du die Tatperson siehst, es kann vorkommen, dass die Tatperson bei der Einvernahme (zuerst) im selben Raum wie du ist. Es kann sein, dass die Polizei dich fragt, ob du dir bewusst seist, was du mit deiner Aussage dem Täter antust. Es kann sein, dass sich der ganze Prozess über Monate hinwegzieht. Es kann sein, dass der Täter am Ende freigesprochen wird, ... Ich zähle hier nicht einfach erfundene Dinge auf, sondern Fakten, die Betroffene mir über ihren Weg erzählt haben, um dich darauf vorzubereiten. Es braucht Mut, Energie und Kraft für diesen Weg. Ich finde es toll, wenn du diesen Weg gehst für dich, doch mir ist es wichtig zu sagen: Schau auf dich. Und etwas worauf ich unbedingt hinweisen möchte, ist: der Täter bekommt während dem Prozess Papiere, auf welchen dein Name und deine Adresse stehen werden. Ich hoffe, dass sich dies bald ändern wird.
Wie auch immer du dich entscheidest, ich wünsche dir auf deinem Weg alles Gute. Falls du dich austauschen magst, melde dich bei uns.